Bericht vom 12. Bundesweiten Motorradtreffen der Justiz in Straubing / Reißing


... wo war denn nur diese blöde Klimaerwärmung, von der jeder spricht. Wenn man sie braucht, ist sie nicht da :-)

Aber trotz nicht erkennbarer Klimaerwärmung, haben weit über 600 Kolleginnen und Kollegen aus ganz Deutschland den Weg zu uns gefunden, um mit uns zusammen eine geile Party zu feiern.
Die Einträge in unserem Gästebuch bestätigen uns, dass sich die Arbeiten, welche mit der Ausrichtung eines Bundestreffens verbunden sind, wieder einmal gelohnt haben.
Dass wir für das Treffen ein Freibad finden mussten, war besonders schwierig. Unser Mitglied, der Loibl Moatl, war es, der uns zum Freibad nach Reißing führte. Dieses Freibad ist nämlich ziemlich einzigartig, da es nicht von der Gemeinde, sondern von einem Freibadverein geführt wird. Kontakte wurden geknüpft und man war sich schnell einig, dass unser Treffen im Freibad abgehalten werden kann. Dieses Wochenende, vom 12. - 15. Juli seid ihr unsere Gäste gewesen und habt wieder einmal mehr bewiesen, dass unsere Treffen friedlich und ohne Probleme ablaufen.

Rückblick:

Eine Woche lang waren wir täglich in Reißing, um das Festzelt und alles was so dazu gehört aufzubauen. Es hängt schon eine Menge Arbeit dran, welche sich aber durch viele Hände teilen lässt. In diesem Fall waren es die Reißinger, die uns hierbei mächtig unterstützt haben. Täglich waren Mitglieder der örtlichen Landjungend vor Ort, um uns unter die Arme zu greifen. Natürlich braucht es erst einmal jemanden, der sagt, was überhaupt zu tun ist. Unsere Häuptlinge waren der Charly, der Geisberger Alex, welcher Vorstand vom Reißinger Freibad Förderverein ist, sowie sein Vertreter, der Wieser Franz. Dieses Dreigestirn löste schwierigste Probleme im Handumdrehen und setzte die Lösung sofort in die Tat um. Aber auch der Chef der Baufirma Binder ließ es sich nicht nehmen und kam sofort mit einem riesigen Lader an, als es darum ging ein Leerrohr für die Verlegung einer Wasserleitung zu suchen. Auf der Suche einer Zeltwiese erlebten wir wieder diese Reißinger Gastfreundlichkeit. Bauer Krinner, der eine passende Wiese hatte, sagte sofort zu, als wir ihn fragten, ob wir diese nutzen dürfen. Die Liste könnte hier unendlich lange weiter geführt werden, was aufgrund der Berichtlänge leider nicht möglich ist. Darum bedanken sich die Jail-Rider Straubing bei allen Bewohnern und sprechen den Reißingern unsere Bewunderung für dieses kleine aktive Dorf aus.

Das Treffen:

Donnerstag:

Wir wurden im Vorfeld schon von vielen Teilnehmern gefragt, ob sie bereits am Donnerstag anreisen dürfen. Wir hatten natürlich nichts dagegen. Nachmittags kamen die ersten Gäste. Die Kollegen aus Dänemark zogen bei ihrer Ankunft die größte Show ab. Sie waren mit blonden Perücken und einer Mütze mit Wikingerhörnern einmarschiert. Letztendlich zählten wir über 230 Biker, die sich im Freibad von Reißing eingefunden haben. Bei toller Musik, die unser DJ Schinken ab 20.00 Uhr auflegte, gab es erste Gespräche mit Kollegen aus anderen Anstalten. An dieser Stelle muss ich den Theo erwähnen, der es immer wieder schafft, mich bis zum Sprachverlust abzufüllen - Mistkerl :-) Es war eine lockere Atmosphäre, bei der man sich im Freibad beschnupperte und neue Freundschaften knüpfte. Erst gegen drei Uhr morgens wurde es ruhiger im Freibad und der ein oder andere kühlte sich mit einem Sprung ins Schwimmbecken vorm Bettgehen noch ab.

Freitag:

Das Frühstück wurde im Freibad eingenommen, da unser Festzelt noch nicht offiziell eröffnet war. Eine mobile Feldküche versorgte die Angereisten mit Kaffee und Weißwürsten, wobei wir nicht sicher waren, ob unsere Freunde aus dem hohen Norden diese Kombination akzeptieren würden. Deswegen wurden noch schnell Brötchen und Marmelade geordert. Dann sollte es passen. Wir bereiteten uns schön langsam an den Ansturm der Freitagsankömmlinge vor. Da uns die Wettervorhersage die Teilnehmerzahl nach unten revidierte, konnten Platzeinweisung und Anmeldung in aller Ruhe vorgenommen werden. Man begrüßte die Motorradfahrer und erhielt oft die Auskunft, dass die Anfahrt sehr nass war. Über sechs und mehr Stunden mussten manche Kollegen bei strömenden Regen anreisen. Bei uns in Reißing gab es einen Sonne - Wolkenmix. Regen setzte erst in der Nacht ein. Das Festzelt füllte sich langsam und Charly moderierte unseren ersten Aktionspunkt, das Maßkrugstemmen. Es war die Qualifizierungsrunde und die besten zehn kamen in die Endausscheidung am nächsten Tag. Auch hier waren es die Dänen, die in ihrer „Verkleidung" die meisten Blicke auf sich zogen. Es gab auch immer wieder mal eine Damenrunde im Maßkrugstemmen und man konnte feststellen, dass oft die kleinen Frauen eine Menge drauf hatten. Zwischendrin konnte man sich Kaffee und Kuchen besorgen. Hier war die Entscheidung aber nicht leicht. Sowohl der örtliche Kindergarten als auch die Mädchen, die wir letztes Jahr in Heimsheim kennenlernten und für den Verein „Ein Paradies für Tiere" sammelten, präsentierten die tollsten und leckersten Kuchen. Gegen 19.30 Uhr begrüßte Charly unsere Gäste aus Nah und Fern. Anschließend übernahm die Partyband „On Stage" das Kommando und behielt es bis weit nach Mitternacht in ihrer Hand. Am Ende waren sich alle einig, dass wir mit dieser Band ins Schwarze getroffen haben. Wir nutzten eine Pause dieser engagierten Band, um unsere Tombola abzuhalten. Eine blonde Glücksgöttin zog aus den Meldekarten haufenweise Preise, die vom einfachen Helmbeutel und Motorradaccessoire über hochwertige Öle und Felgensprays der Firma Divinol bis hin zum Hauptpreis, einer VIP Card zum Divinol Porsche Cup am Hockenheimring reichten. Michel aus Rohrbach war der glückliche Gewinner. Nach der Tombola wurde wieder abgetanzt bis in die frühen Morgenstunden. Für uns stand noch die Zeltreinigung an. Aber sogar hierbei hatten wir unseren Spaß und die Gäste fanden am Samstagfrüh ein topgesäubertes Festzelt vor. Gegen 04.30 Uhr morgens suchte ich meine Schlafstelle auf und es gab immer noch welche, die noch nicht genug hatten und sich an der Bar, die der Landjugendverein führte, amüsierten.

Samstag:

Das schwierigste am Morgen, das Zähneputzen, hatte ich hinter mir und peilte die Lage. Es standen die geführten Ausfahrten an. Die Touren konnte man sich am Vorabend an einer großen Tafel aussuchen. Das Wetter war wie die letzten Tage gemischt. Es musste jederzeit mit einem Schauer gerechnet werden. Die Touren, die tief in den bayerischen Wald führten, bekamen am meisten vom Regen ab. Andere Tourenfahrer erzählten mir, dass sie lediglich ein paar kurze Schauer erlebten, bei denen sie aber glücklicherweise gerade bei einer Besichtigung in einer Bärwurzbrennerei oder beim Essen waren. Die Tourenfahrer hatten die Order bekommen, gegen 15.30 Uhr in Oberschneiding einzutreffen, um an der anschließenden Korsofahrt zurück nach Reißing dabei sein zu können. Es war eine beachtliche Anzahl von Bikes, die auf Reißing zusteuerte. Die örtliche Feuerwehr war für die Verkehrsabsperrungen zuständig. Die Gruppe sammelte sich auf dem Vorplatz der Spedition Strähuber, wo die Spendenübergabe an den Freibadverein und den örtlichen Kindergarten stattfand. Der erste Bürgermeister Ewald Seifert begrüßte die Biker aus Nah und Fern und sagte, dass sinngemäß sein Reißing auch unser Reißing sei. Er lobte unseren Berufsstatus und erinnerte an die schwierigen Aufgaben unseres Berufes. Der Vorstand des Freibadvereines Alex Geisberger schwärmte von der Art und Weise, wie dieses Treffen ablief. Nach einer kleinen Einlage des Kindergartens, wobei die Kleinen etwas eingeschüchtert von den vielen Lederjackenträgern waren, wurden die Schecks überreicht. Der Förderverein des Freibades Reißing erhielt 3000 Euro und dem örtlichen Kindergarten wurden 500 Euro von der stellvertretenden Anstaltsleiterin der JVA Straubing Anja Ellinger überreicht. Charly übernahm das Kommando und forderte die Biker auf, lautstark den Platz zu verlassen und zurück zum Treffen zu fahren. Nun blieb noch etwas Zeit, um sich für den Abend frisch zu machen. Die Reißinger kennen allerdings keinen Leerlauf. Es wurde kurz entschlossen, einen ausgebauten Motor auf eine Holzpalette zu spannen und das Öl abzulassen. Nun konnte jeder der wollte gegen eine kleine Spende wetten, wielange der Motor braucht, bis er kaputt ist. Die Teilnehmer konnten als Preis drei Maß Bier gewinnen. Jeder kann sich wohl vorstellen, welchen Lärm ein Motor bei Vollgas ohne Auspuff macht. Aber es gefiel den Zuschauern, die mit Fotoapparaten und Videokameras den Ausgang des Spektakels verfolgten. Nach 2 Minuten 42 Sekunden war Schluss und der Motor verabschiedete sich feuerspuckend. Im Festzelt standen gleichzeitig bereits die Qualifizierten des Maßkrugstemmens bereit. Hierbei galt es eine Maß Bier (= 1 Liter) im Glaskrug bei ausgestrecktem Arm solange als möglich zu halten. Verbissen kämpften die Teilnehmer um den Gewinnerpokal. Nach 4 Minuten und 54 Sekunden stand der Sieger fest. Es war ein Reißinger, der es allen anderen zeigte. Ich kannte den Christian Köll bereits als fleißigen Arbeiter unseres Aufbaukommandos und war deshalb nicht allzu überrascht. Als nächstes stand die offizielle Begrüßung an. Hier machte Bürgermeister Seifert den Anfang und versicherte nochmals, dass es für uns in Reißing keine Sperrstunde gäbe. Dieses wurde von den Anwesenden lautstark bejubelt. Herr Seifert erzählte etwas über die Gemeinde und übergab das Wort an den zweiten Bürgermeister Herrn Forster. Dieser entschuldigte sich erst einmal, da er wohl am Anfang etwas zu skeptisch war, als ihm mitgeteilt wurde, dass auf dem Fußballplatz ein Motorradtreffen abgehalten werden sollte. Wir haben ihm all seine Zweifel genommen und er versicherte uns, dass wir jederzeit wieder willkommen sind. Als nächstes ergriff Fördervereinschef Geisberger das Wort und betonte, daß er so ein Fest noch nicht in Reißing erlebt habe. Dann kam unsere stellvertretende Anstaltsleiterin Frau Ellinger ans Mikro und schilderte die schwere Situation unseres Berufsstandes. Dass man nebenbei noch so ein tolles Fest organisieren kann, beeindruckte sie. Anja Ellinger erklärte den Anwesenden, dass wir in der JVA Straubing gerade ein neues Haus für die Sicherungsverwahrten bauen und dies nach Vorgaben des Bundesverfassungsgerichtes im Juni 2013 bezugsfertig sein muss, weil ansonsten die Sicherungsverwahrten entlassen werden müssen. Sie ist sehr zuversichtlich, dass dieses Vorhaben gelingen wird. Nach der offiziellen Begrüßung war die Pokalverleihung, die der zweite Bürgermeister Forster vornahm. Unsere dänischen Kollegen bekamen mit 1373 Kilometer Anreise einen Pokal verliehen. Christian Köll von der Reißinger Landjugend nahm seinen Pokal für das Maßkrugstemmen entgegen und unser allbekannter Walter ließ sich wieder einmal mehr als ältester Teilnehmer feiern. Zum Walter ist noch zu sagen, dass er bereits eine Woche vor dem Treffen sein Zelt in Reißing aufbaute. Er half mit, wo es ging und durfte dafür in einen alten Bauwagen einziehen, was ihm besonders Spaß machte. Nachdem alle Pokale verliehen waren, heizte unsere Frauenband, „Wild Cats" dem Publikum gehörig ein. Uns freute besonders, dass sehr viele Reißinger Bürger im Festzelt vorbeischauten und mit uns feierten und tanzten. Unsere stellvertr. Anstaltsleiterin Frau Ellinger ließ es sich nicht nehmen, mit den Wild Cats ein Lied zu singen, wobei sie auch ihre Violine zum Einsatz brachte. Ihre Einlage wurde mit viel Applaus belohnt. Gegen 21.30 Uhr gab es ein Feuerwerk, welches die Reißinger organisierten. Kurz darauf kamen vier scharfe Damen, jede von ihnen leicht bekleidet, auf vier ebenso scharfen Motorrädern ins Festzelt gefahren. Sie lieferten eine rattenscharfe Coyote Ugly Show ab. Dazu animierten sie Gäste aus dem Publikum auf ihre Bühne und flößten ihnen alkoholische Getränke ein. Viele mussten dazu erst gar nicht aufgefordert werden :-) Sie präsentierten ihre Show nochmals kurz vor Mitternacht und entkleideten sich dafür noch etwas mehr, was von den Zuschauern mit tosendem Applaus belohnt wurde.
Zwischendrin verwandelten die „Wild Cats" das Bierzelt in eine Partyzone. Es wurde viel getanzt und gefeiert, bevor es nach Mitternacht ruhiger wurde. Wir wissen ja, dass der Sonntag der Abreisetag ist, und viele noch stundenlang auf ihren Maschinen nach Hause fahren müssen. Für uns folgte noch das tägliche Ritual des Zeltesäuberns und danach gönnten wir uns noch einen Absacker an der Bar, bevor es in die Koje ging.

Sonntag:

Am Abreisetag haben schon viele sehr früh begonnen, ihre Zelte abzubauen, da sich der Himmel schon wieder verdächtig eintrübte. Andere hatten Pech, da gegen 09.30 Uhr ein heftiger Schauer nieder ging, der aber nicht allzulange anhielt. So wurde unser Veranstaltungsort nach und nach immer leerer und wir begannen bereits mit dem Abbau der Tische und Bänke. Zwischendurch wurden immer wieder Kollegen mit dem Schwur verabschiedet, sich im nächsten Jahr in Celle zu treffen. Wir waren mit den Aufräumarbeiten noch bis 17.00 Uhr beschäftigt. Danach ging`s nach Hause, wo man sich auf eine Dusche und auf ein Bett freute, um nur noch zu schlafen, schlafen ,schlafen.


Patch wer noch ein Patch vom Treffen braucht - hier bestellen: kassier@jail-riders.de


Fazit:

Ein geiles Treffen, wobei uns das Wetter die Anmeldezahlen etwas vermiest hat. Für uns heißt das, wir müssen noch mehr Kontakte knüpfen, um beim nächsten Treffen auch diese Schwachstelle beseitigen zu können :-)


Gotti - Chronist der Jail-Riders Straubing
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